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Alkoholhaltige Getränke: Oxidatives oder antioxidatives Potential?

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CONTRIBUTORS:
  Author Lachenmeier, Dirk W. (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe)
  Author Heinkelein, Melanie
CONFERENCE NAME:
  Jahrestagung 2008 des Regionalverbandes Süd-West der Lebensmittelchemischen Gesellschaft in der GDCh
CONF. LOCATION: Stuttgart-Hohenheim, Germany
CONFERENCE YEAR: 2008
PUB TYPE: Conference Presentation
SUBJECT(S): alcohol, antioxidative potential
DISCIPLINE: Agricultural and Food Sciences
HTTP: http://www.gdch.de/strukturen/fg/lm/sw_2008.pdf
LANGUAGE: German
PUB ID: 103-441-667 (Last edited on 2008/03/10 05:28:50 GMT-6)
SPONSOR(S):
 
ABSTRACT:
Die Entstehung von malignen Tumoren des oberen Gastrointestinaltraktes, des Kolorektums, der Leber und der weiblichen Brust hängen mit dem Konsum alkoholhaltiger Getränke zusammen. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) der WHO bewertet Ethanol in alkoholhaltigen Getränken als „krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 1). Während des oxidativen Ethanolmetabolismus durch das Cytochromsystem P450 2E1 entstehen reaktive Sauerstoffspezies (ROS) im menschlichen Körper, die zu Lipidperoxidation und Lipidperoxidationsprodukten (z.B. Malondialdehyd) führen. Diese Produkte und das während des Ethanolmetabolismus durch die Alkoholdehydrogenase entstehende Acetaldehyd bilden DNA-Addukte [1].
Vielfach wurde das angebliche antioxidative Potential alkoholhaltiger Getränke als Begründung für mögliche positive gesundheitliche Effekte moderaten Alkoholkonsums herangezogen [2]. In der vorliegenden Arbeit wurde das antioxidative Potential einer Reihe von Getränken untersucht und dem oxidativen Potential des Ethanolmetabolismus gegenübergestellt.
In einer Untersuchungsreihe des CVUA Karlsruhe wurden 116 verschiedene Biere und 80 Spirituosen auf ihre antioxidativen Eigenschaften hin überprüft. Als Maß für die antioxidative Kapazität wurde ein TEAC (Trolox Equivalent Antioxidant Capacity) Testsystem herangezogen.
In Abb. 1 sind TEAC-Werte verschiedener Biertypen dargestellt, deutlich sichtbar ist der signifikant höhere TEAC-Wert bei Schwarzbieren.
Spirituosen weisen generell niedrigere antioxidative Kapazitäten auf als Bier (Abb. 2). Allerdings sind auch hier signifikante Unterschiede zwischen den Spirituosenkategorien feststellbar. Beispielsweise unterscheidet sich Bourbon Whisky deutlich von anderen Spirituosen, selbst von Scotch Whisky, aufgrund seines deutlich höheren TEAC-Wertes.
Alkoholhaltige Getränke enthalten in vielen Fällen neben Ethanol sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole mit antioxidativen Eigenschaften [3]. Unsere Untersuchung hat bestätigt, dass das antioxidative Potential alkoholhaltiger Getränke im wesentlichen durch diese Stoffe bestimmt wird. Der TEAC-Wert der untersuchten Biere und Spirituosen ist hochgradig mit dem Folin-Ciocalteu(FC)-Index, der ein Maß für den Gesamtgehalt an Polyphenolen ist, korreliert.
Ein Zusammenhang zwischen FC-Index oder TEAC und dem Stammwürzegehalt der untersuchten Biere konnte nicht festgestellt werden.
Der Gehalt an antioxidativ wirkenden Inhaltsstoffen in Bieren und Spirituosen hängt stark von den einzelnen Typen ab. Es lassen sich einzelne Produktgruppen wie Schwarzbier oder Bourbon Whisky deutlich von den anderen unterscheiden.
Viele alkoholhaltige Getränke (v.a. klare Spirituosen wie Wodka, Obstbrände, weiße Tequilas etc.) weisen überhaupt kein antioxidatives Potential auf. Auch die antioxidativen Potentiale fassgelagerter Spirituosen oder Biere sind so gering, dass ein physiologischer Einfluss wenig wahrscheinlich erscheint. Ethanol (und damit das Potential zur Bildung von ROS) liegt in einer deutlich höheren Konzentration vor. Zudem ist die Bioverfügbarkeit der antioxidativ wirkenden sekundären Pflanzenstoffe aus alkoholhaltigen Getränken derzeit noch ungeklärt.
Insbesondere aufgrund der IARC-Bewertung von Ethanol als krebserregend erscheint es unzulässig und wissenschaftlich nicht hinreichend gesichert, einen gesundheitlich-positiven antioxidativen Effekt von alkoholhaltigen Getränke anzunehmen.
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