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Opiate in Mohnsaat: Optimierung der HPLC/MS/MS-Bestimmung, aktuelle Marktübersicht und Reduzierung des Morphingehalts in Mohnlebensmitteln

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CONTRIBUTORS:
  Author Sproll, C
  Author Lachenmeier, D W (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe)
PROCEEDINGS TITLE:
  Lebensmittelchemie 60
YEAR: 2006
PUB TYPE: Conference Paper in Proceedings
PAGES: 143 - 144
SUBJECT(S): morphine, poppy food
DISCIPLINE: Agricultural and Food Sciences
HTTP:
LANGUAGE: German
PUB ID: 103-431-795 (Last edited on 2006/12/22 02:06:29 US/Mountain)
SPONSOR(S):
 
ABSTRACT:
Mohnsaat zur Verwendung in Lebensmitteln wird ebenso wie illegale Drogen aus Schlafmohn (Paper somniferum L.) gewonnen. Im Gegensatz zu den Blütenkapseln, aus deren Milchsaft im asiatischen Raum Opium gewonnen wird, akkumuliert die Mohnsaat keine Opiatalkaloide, jedoch kann eine Kontamination mit Alkaloiden aus den übrigen Pflanzenteilen erfolgen. Daher variieren die Opiatgehalte in Mohnsaat sehr stark: neben Morphin (<0,1-450 mg/kg) und Codein (<0,1-57,1 mg/kg) sind weitere Alkaloide insbesondere auch Noscapin (0,84-230 mg/kg) und Papaverin (0-67 mg/kg) enthalten [1].
Trotz der bisherigen Auffassung, daß selbst nach dem Konsum von sehr großen Mohnsamen-Mengen weder mit einer analgetischen noch mit einer Rauschwirkung zu rechnen ist [2], wird derzeit über die Einführung von Richtwerten für Morphin in Mohnlebensmitteln in Analogie zu den bereits bestehenden Richtwerten für THC in Hanflebensmitteln [3] diskutiert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat in seiner Bewertung eines akzidentellen Vergiftungsfalls eines Säuglings, dem ein Backmohnextrakt als Schlafmittel verabreicht wurde, mitgeteilt, daß die ölreichen Mohnsamen, nahezu frei von Alkaloiden sein sollten [4].
Als Grundlage für die toxikologische Bewertung wurde in der vorliegenden Arbeit zunächst eine effiziente und schnelle HPLC/MS/MS-Screeningmethode entwickelt, um eine umfassende Marktübersicht zu ermöglichen. Die Probenaufarbeitung besteht aus einer einfachen Kaltextraktion, deren Parameter mittels statistischer Versuchsplanung optimiert wurde (Extraktionszeit 60 min, Schütteln 250 min-1, Methanol mit 0,1% Essigsäure, ungemahlener Mohn). Bemerkenswert ist, daß bei ungemahlenem Mohn signifikant (p<0.0001) höhere Extraktionsausbeuten erhalten wurden als bei vorab gemahlenem Mohn. Die Abnahme kann durch oxidative Effekte und die Freisetzung von sauerstoffübertragenden Verbindungen aus dem Samen erklärt werden [5,6]. Die HPLC/MS/MS-Bestimmung von Morphin, Codein, Noscapin und Papaverin erfolgte nach Zugabe von Morphin-D3 durch Trennung an RP-18-Phase, Elektrospray-Ionisation und Detektion im SRM-Modus.
Die Untersuchung von im Herbst 2005 erhobener Proben aus dem Handel bestätigen die große Variationsbreite der Opiatalkaloide in Mohnsaat. Interessanterweise lagen in allen untersuchten Fertig-Backmischungen nur sehr geringe Gehalte vor.
Im Rahmen eines statistisch geplanten Backversuches wurden die Einflüsse üblicher küchentechnischer Maßnahmen auf die Morphingehalte von Mohnkuchen untersucht. Es zeigte sich, daß auch hier nur die Mahlung einen signifikanten Einfluß (p=0.014) besitzt (Abb.1). Das Kochen oder Quellen des Mohns vor dem Backen haben nur einen sehr geringen, nicht signifikanten Effekt. Bei optimalen Bedingungen liegen von den ursprünglichen Gehalten nur noch 15% Morphin und 8% Codein im Kuchen vor, d.h. die Herstellungsverluste liegen bei 85% bzw. 92%.


Literatur:

1. Trafkowski J, Musshoff F, Madea B (2005) Blutalkohol 42: 431-441.
2. Andresen H, Schmoldt A (2004) Blutalkohol 41: 191-202
3. Lachenmeier DW (2004) Dtsch. Lebensm.-Rundsch. 100: 481-490
4. Bundesinstitut für Risikobewertung (2005) Backmohn ist kein Schlafmittel für Säuglinge. www.bfr.bund.de
5. Vermeire A, Remon JP (1999) Int. J. Pharm. 187: 17-51
6. Schenk G (1967) Dtsch. Apoth. Ztg. 107: 1516-1521
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