ABSTRACT:
Die jüngste dramatische Zuspitzung der politisch-militärischen Krise in der Côte d’Ivoire hat die ehemalige Kolonialmacht Frankreich in eine fast ausweglose Lage gebracht: Vermittler, peace-keeper und Kriegspartei in einem; Beschützer der eigenen Staatsbürger und Wirtschaftsinteressen – gleichzeitig für eben diese ein Risikofaktor; wechselnd von der Regierung oder den Rebellen gebraucht oder verurteilt; respektierter, aber ungeliebter und einsamer Gendarm auf der Suche nach afrikanischer und internationaler Unterstützung. Man könnte zahlreiche Attribute mehr zu-sammentragen, die eine äußerst unangenehme Lage kennzeichnen. Wie viel Kontinuität französi-scher Afrikapolitik und wie viel persönliche Akzentuierung durch den französischen Präsidenten dabei eine Rolle spielen, wird unterschiedlich beurteilt. Gleichzeitig darf die inner-ivorische Dynamik nicht außer Acht geraten. Was sich heute entlädt, hat eine lange Vorgeschichte, die hier nur in Ansätzen wiedergegeben werden kann.